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2. Juni 2016

„Mit der Bedeutung soll man nicht spaßen“

„Nichts“ - eine Aufführung des Wahlpflichtkurses Theater 9 der Herbert-Hoover-Schule

19:10 Uhr, Aula der HHS: 15 Schüler in schwarzen Hoodies mit der Aufschrift „Opfer“ stehen auf der Bühne. Sie verbeugen sich. Das Publikum applaudiert. Herr Schumann, der Schulleiter, überreicht jedem Darsteller eine Rose. Die Augen glänzen, die Gesichter strahlen. Auch das von Frau Hollenstein, der Theaterlehrerin. Nach Monaten intensiver Arbeit ist endlich der Moment da, das erste Mal vor einem Publikum verbeugen, die erste Vorstellung erfolgreich hinter sich gebracht.

Die SchülerInnen des Wahlpflichtkurses Theater erarbeiteten eine Aufführung zu dem Jugendroman „Nichts“ von Janne Teller. Der Roman wirft die Frage auf, was im Leben überhaupt eine Bedeutung hat. Gestellt wird die Frage von dem Schüler Pierre-Anthon, der eines Tages das Klasssenzimmer mit den Worten „Nichts bedeutet irgendetwas. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun“ verlässt. Fortan setzt er sich in einen Pflaumenbaum und provoziert seine Mitschüler mit seinen nihilistischen Aussagen. Die Mitschüler sind irritiert und verärgert: Pierre-Anthon irrt sich und das werden sie ihm beweisen. Sie beschließen, einen „Berg der Bedeutung“ zu errichten. Es beginnt harmlos: alte Fotos und Erinnerungen werden zusammengetragen - doch die Bedeutung ist noch zu klein. So beginnt ein tragisches Spiel, denn jeder muss ein Opfer bringen. Motto: Je wichtiger das Opfer, desto höher die Bedeutung.

Da ist zum Beispiel Alex, der seine neuen Nikes abgeben muss, Gerda, die ihren geliebten Hamster abgibt und Ole, der über die Abgabe seiner Boxhandschuhe sehr verärgert ist. So verärgert, dass er von Sofie das Opfer ihrer Unschuld verlangt. Elise muss das Grab ihres toten Bruders abliefern, Sengül ihr Kopftuch und die Punkerin Marie-Ursula ihre blauen Haare. Als schließlich der begabte Saz-Spieler Yussuf seinen Finger abgeben muss, fliegt alles auf.

Medienrummel. Youtube. Twitter. Facebook – die Schülergruppe und der „Berg der Bedeutung“ werden berühmt. Sie fühlen sich stolz und wichtig. Doch einer weiß das alles noch immer nicht zu würdigen: Pierre-Anthon. Nachdem er erstmals den „Berg der Bedeutung“ sieht, ihn als „stinkenden Misthaufen“ bezeichnet und sich darüber lustig macht, ist die Geduld der Schüler am Ende: Pierre Anthon wird bestraft. In Zeitlupe ziehen sie ihre Pullover aus, umringen Pierre-Anthon und zwingen ihn mit ihren Pullovern zu Boden.

Schlussszene, aus dem Skript:

Musik: The XX - Intro

Elise:   In derselben Nacht brannte das Sägewerk bis auf die Grundmauern ab.

Alex:   Wenn er uns damals nur nicht den Rücken zugedreht hätte…

Sengül:  Es war seine Schuld.

Jan Johann:   Er musste dafür bezahlen.

Sofie:  Asche. Staub. Nichts.

Alle:   Bedeutung.

Pierre Anton steht auf in Zeitlupe. Geht von der Bühne und stößt die Schaukel an.

Marie-U:  Mit der Bedeutung sollte man nicht spaßen. Blick nach oben. Nicht wahr, Pierre-Anthon?

Alle:  blicken nach oben  Nicht wahr?

LICHT AUS 

Die Darsteller über ihre Erfahrungen bei der Erarbeitung des Stückes: 

Tahir: Es war spannend und aufregend. Ich war auch nervös, aber es war auch ein schönes Gefühl und nach dem Auftritt war ich stolz auf mich selber. Wir hatten eine Woche Intensivproben, das hat am meisten Spaß gemacht. Am schwierigsten war für mich, immer in meiner Rolle zu bleiben, auch bei den Proben.

Mazlum: Also, ich habe gelernt, dass die Probezeiten doch sehr wichtig sind. Und ich habe viel über Mimik und Gestik gelernt. Die schönste Erfahrung war für mich, dass es sich gelohnt hat und man nach der Aufführung viele Komplimente bekommen hat. Ich habe gelernt, dass man nicht ins Publikum gucken sollte.

Josy: Man muss viel Geduld haben, damit es ein gutes Theaterstück wird. Es war schwer, sich zu konzentrieren, wenn man eine Szene immer wieder wiederholen muss.

Kibrija: Wir haben immer zusammen gehalten, das ist sehr wichtig. Die Zeit in der Gruppe war anstrengend, aber auch schön und wir hatten viel Spaß.

Fatima: Ich habe gelernt lauter und langsamer zu sprechen und dass man sich nicht schämen soll. Und ich habe gelernt, wie wichtig Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind, weil die Gruppe sich auf einen verlässt.

Zorbey: Mein schönster Moment war, als alle am Ende geklatscht haben.

Adelisa: Die Zeit war für mich sehr schön, wir wurden dadurch ein Team und haben uns besser kennengelernt.

Danny: Ich weiß jetzt, was es heißt, auf der Bühne präsent zu sein. Während der Proben mussten einige aus dem Kurs lernen, sich in Geduld zu üben. Als ich auf der Bühne stand hat mein Herz gerast, bei der ersten Szene war es ganz schrecklich. Aber als wir weitergespielt haben, war die Aufregung wie weggeblasen. Nach der letzten Aufführung hatte ich ein schlechtes Gefühl. Das Gefühl war so, als wäre ich in ein tiefes Loch gefallen. Ich dachte: Ist es jetzt wirklich schon alles vorbei? Ich habe mir immer wieder den Applaus des Publikums vorgestellt und daran gedacht, was wir geschafft haben, als Theaterfamilie, als „Ensemble“.

Frau Hollenstein: Nicht nur für die Schüler war die Aufführung eine Premiere, sondern auch für mich. Der Kurs ist in der Zeit zusammengewachsen. Sie wollten ein tolles Stück auf die Bühne bringen und das haben sie auch geschafft. Ich bin noch immer stolz und freue mich schon auf das nächste Stück!

Viele weitere Fotos von der grandiosen Premiere sind in unserer Galerie hinterlegt.